AUTORIN

Verpottert! – Wie eine Geschichte die Welt beeinflusst

Heute stand folgende Meldung in meinem Facebook Feed: „Ich habe ein tolles Rezept für Butterbier gefunden!“

Es folgen die üblichen Kommentare (lad mich ein, kriege ich es auch, woah cool etc. pp). Dazwischen dann plötzlich die Frage: „Was ist das?“ und mein erster Gedanke war: WIE KANN SIE DAS NICHT WISSEN???

Im zweiten Gedanken musste ich über mich selbst schmunzeln. Denn wieso sollte sie es wissen? Schließlich hat nicht jeder Mensch auf dieser Welt Harry Potter gelesen oder gesehen.

Trotzdem nehme ich es irgendwie automatisch an. Wenn jemand Harry Potter nicht kennt, oder nicht gelesen hat und mit Insidern, die „alle Welt“ kennt, nichts anfangen kann, bringt mich das jedes Mal aus dem Konzept. Für einen Augenblick kann man dann immer das Klacken meiner Augenlider hören (wie bei der Maus), während ich versuche, einzusortieren, dass ich gerade mit einem unwissenden Muggel spreche.

Woher kommt das? 

Vielleicht fasziniert mich diese Welt, die J.K. Rowling da geschaffen hat, einfach zu sehr. Vielleicht kenne ich auch einfach nur zu viele Potterheads. Dabei bin ich selbst schon eine der unwissendsten Leserinnen, die sich so einiges, aber nicht alles gemerkt hat (ich kenne Leute, die wirklich ALLES wissen :D).

Vor allem aber ist das Thema irgendwo auf dieser Welt ständig präsent. Insider fliegen hin und her, tausende gifs, Collagen und Spruchbilder fluten das Internet, es wird zitiert, sich zurück erinnert, mit den toten Figuren mit gelitten. Wenn ich ein Bild von Daniel Radcliffe sehe, sehe ich zuerst Harry Potter und dann den Schauspieler und als Alan Rickman starb, sah ich viele Beileidsbekundungen – und in den meisten ging es um Severus Snape, bzw. wurden die Zauberstäbe zum Salut erhoben, obwohl er auch andere, sehr tolle Rollen hatte.

Eine Geschichte geht um die Welt

Ob man die Geschichte um und über Harry Potter nun mag oder nicht – ich denke wir sind uns einig, dass J.K. Rowling damit auf jeden Fall ein Phänomen geschaffen hat.

Ich kann nicht für andere Menschen sprechen, aber das was mich an dieser Welt so anzieht, ist das Gefühl von Heimat.
Harry ist einsam und ziemlich ungewollt als er aufwächst. Die Welt, in der er groß wird, ist recht grau, langweilig und gefühlskalt. Als er mit 11 Jahren dann in den krassen Kontrast rutscht und in eine warme, fröhliche, ein bisschen schräge und einfach kunterbunte Zauberer Welt gerät, kann er endlich das Gefühl von Heimat entwickeln.

Auch in dieser Welt ist nicht alles in Ordnung und es lauern mächtige und gefährliche Feinde im Verborgenen – aber nicht einmal Voldemord und sein Gefolge können das Gefühl von Heimat und Geborgenheit ganz zerstören, das sich im allerersten Band aufgebaut hat. Er ist mehrmals in Hogwarts eingebrochen, auf unterschiedliche Art und Weise. Hogwarts war nicht zu 100% sicher (schließlich sind viele schreckliche Dinge innerhalb dieser Mauern passiert) – trotzdem habe ich mich beim Lesen dort immer sicher gefühlt. Weil es ein zu Hause war.

Hallo Heimat. Hallo Herz.

Aber nicht nur das Gebäude und seine Bedeutung  fühlten sich wie eine Heimat an. Auch und besonders die einzelnen Figuren haben es dazu gemacht. Die Professoren mit ihren verschiedenen Größen und Formen, ihren Schrullen, Eigenarten und ihrem unglaublichen Wissen. Die Mitschüler, die man mal mehr, mal weniger leiden konnte.

Harry Potter ist für mich ein Meisterwerk. Es ist eine Geschichte, die fasziniert, den Leser einfängt, umsorgt und immer wieder schockiert und ihm das Herz bricht – ohne uns jemals das Gefühl zu nehmen: Hier bin ich zu Hause.

Und genau dieses Gefühl stellt sich beim wieder-lesen ein: Hallo Heimat. Hallo Herz.

Für mich als Autorin ist diese Reihe ein Vorbild, weil J.K. Rowling genau das erreicht hat, was ich auch erreichen möchte. Ich will eine Welt schaffen, in der sich der Leser – trotz aller Abenteuer, Gefahren und Verluste – sicher fühlt. In die er gern zurück kommt und zwar immer und immer wieder. Eine Welt, die zu einer Heimat wird, mit einer Geschichte, die berührt, Emotionen weckt und zum Lachen, Weinen und Mitfiebern anregt.

Verpottert!

Zusammenfassend kann wohl gesagt werden, dass diese unsere (reale) Welt ziemlich „verpottert“ ist. Nicht jeder kennt die Geschichte, aber die, die sie kennen, gehen grundsätzlich erstmal davon aus, dass das Gegenüber es auch tut. Es heißt nicht „Hast du das Buch gelesen?“, es heißt maximal „Wie – du hast es nicht gelesen? o.O“.

Und gerade das, gerade diese selbstverständliche Annahme, dass alle aus meiner Umgebung Harry Potter kennen (und lieben!) ist es, was mich heute zum Schmunzeln brachte.

Mrs. Rowling, sie haben vor so vielen Jahren etwas Unglaubliches geschaffen.
Vielen Dank dafür.

sig2

2 Comments on “Verpottert! – Wie eine Geschichte die Welt beeinflusst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.