LIFE

Ziele aufschreiben vs. Der Alltag „passiert“

Sicher kommt dir folgende Situation bekannt vor: Du setzt dir ein Ziel, das du unbedingt erreichen möchtest. Zum Beispiel: „Ich schreibe dieses Jahr mein Buch.“

Nun gibt es zwei Möglichkeiten/Versionen, wie du mit diesem Ziel verfährst.

  1. Version: Du behältst dein Ziel nur im Kopf.
  2. Version: Du schreibst dein Ziel auf (und hängst da auf, wo du es täglich siehst/liest).

In beiden Fällen kann ich dir ziemlich sicher vorhersagen, wie das Ende dieses einen Jahres aussehen wird:

  1. Version: Du stehst ohne Buch da.
  2. Version: Du hast zu 95% ein Buch geschrieben.

Was ist in diesem einen Jahr passiert?

Version  1

Du hast dir das Ziel gesetzt, ein Buch zu schreiben. Vielleicht hast du es vor dir selbst oder Freunden sogar ausgesprochen. Einmal. Eventuell auch zweimal.

Und dann? Passierte nichts mehr. Bzw. ist dir sogar jede Menge passiert.
Dir ist der Alltag „passiert“. Oder dein Leben ist dir „passiert“.
Bestimmt ist dein Kind mal krank geworden. Oder du hattest einen Schaden am Auto. Vielleicht hast du dich mit einer Person gestritten. Oder du musstest einkaufen gehen. Oder etwas essen (und das sogar täglich!). Auf jeden Fall war „irgendwie immer etwas los“, sodass du leider so gar keine Zeit hattest, um zu schreiben.

Wirklich?

Hattest du in diesem einen kompletten Jahr – in den letzten 365 Tagen – keine einzige freie Minute, um dich zum Schreiben hinzusetzen?
Wenn das stimmt: Glückwunsch! Dein Leben ist interessanter, toller und aufregender als das des Walter Mitty!

Oh, ist es nicht? Du hast gar kein spannendes und mitreißendes Leben, bei dem du ständig auf Reisen bist, dir die Welt ansiehst, jeden Tag ein Abenteuer erlebst und alle deine Träume verwirklichst?
Dann könnte es vielleicht sein, dass du dir den Zeitmangel einredest – und zwar im Nachhinein.

Denn wenn du ganz ehrlich zu dir bist: Du hast es einfach vergessen.
Hin und wieder hast du dich daran erinnert („eigentlich wollte ich ja mein Buch schreiben“), aber es gleich darauf wieder von dir geschoben.

In konkrete Zahlen gekleidet, hast du Folgendes in diesem einen letzten Jahr verpasst:
10 – 15 Minuten tägliches Schreiben. Klingt jetzt nicht nach viel.

Aber zoomen wir ein wenig raus: Du hättest im letzten Jahr 3.650 – 5.475 Minuten schreiben können. Das sind umgerechnet 61 – 91 Stunden.

Schaffst du in der Zeit 50 – 100 Wörter, sind das aufs Jahr gerechnet 18.250 – 36.500 Wörter, die du heute zusammen hättest. Das klingt doch schon nach einem ganz soliden (oder zumindest einem fast fertig geschriebenem) Roman, oder?

Wenn du jetzt über deinen Alltag nachdenkst: Gibt es da nie, an keinem Tag und unter gar keinen Umständen zehn Minuten, die du einschieben könntest? Nicht einmal, wenn du 10 Minuten eher aufstehst, oder 10 Minuten später schlafen gehst? Denn 10 Minuten weniger Bettzeit bringen niemanden um (innere Schweinehunde lügen für gewöhnlich).

Version  2

Und was passiert in Version 2? Du hast dasselbe Ziel gefasst, es aber aufgeschrieben. Dann hast du den Zettel dorthin gehängt, wo du ihn täglich siehst.
(Profi-Tipp: Schreibe dir dein Ziel jeden Morgen 4x auf, damit du es wirklich immer im Kopf hast).

Du hast dein Ziel nun jeden Tag vor Augen, bzw. schreibst es jeden Tag auf. Also startest du bereits mit dem Gedanken „Ich will mein Buch schreiben“ in den Tag. Du weißt es, du vergisst es nicht und dein Ziel ist immer präsent.

Das bedeutet, dass du es vielleicht ein paar Tage ignorieren kannst. Vielleicht sogar volle zwei Wochen. Aber auch, wenn du nicht schreibst, ist es immer präsent in deinem Kopf. Und irgendwann kommt der Knackpunkt, an dem dein Gewissen dich so sticht, dass du handelst. Je nachdem, wie sehr du es willst und wie sehr du bereit bist, etwas für dein Ziel zu tun, kommt dieser Punkt früher (oder eben später, wenn du doch nicht so engagiert bei der Sache bist, wie du dachtest).

Wenn der Punkt kommt, an dem du handelst, also etwas TUST, hast du das Schlimmste im Grunde überwunden.
Denn du wirst feststellen: Etwas zu tun, das dich deinen Zielen näher bringt, fühlt sich richtig gut an. Du bist (zurecht) Stolz auf dich.
Wie wäre es also, wenn du es morgen noch mal tust? Einfach nur zehn Minuten?
Klingt doch nach ner guten Idee, oder nicht? 😉

Niemand „hat“ Zeit für irgendwas…

… wenn du Zeit für etwas haben willst, musst du sie schaffen. Das mag im ersten Moment komisch klingen und vielleicht hast du auch so viel Alltag, dass es dir unmöglich erscheint.
Aber genau hier entscheidet sich: Wie sehr willst du es eigentlich? Willst du es WIRKLICH? Dann mach es möglich.

An der obigen Rechnung siehst du, was du in einem Jahr erreichen kannst, wenn du jeden Tag zehn oder fünfzehn Minuten schreibst. Zehn Minuten kann jeder in seinem Tag unterbringen. Und die die es nicht können, haben wie gesagt die Möglichkeit, zehn Minuten eher aufzustehen, oder zehn Minuten später schlafen zu gehen.

Das mag vielleicht erst mal unangenehm sein, schließlich änderst du deine Gewohnheiten.

Aber willst du dich wirklich von deinem Traum fernhalten, nur weil der Weg dahin hin und wieder mal unangenehm oder anstrengend ist?

Lass es dir einfach nochmal durch den Kopf gehen und versuche, wirklich wirklich ehrlich zu dir zu sein. Auch, wenn es sich vielleicht nicht gut anfühlt – das tun unbequeme Wahrheiten selten. Deswegen meiden wir sie.

Nur leider bringt uns das Ignorieren nicht weiter.

Du willst wirklich dein Buch schreiben? Dann schreib es!
Und wenn du es Wort für Wort tun musst. 

sig2

2 Comments on “Ziele aufschreiben vs. Der Alltag „passiert“

  1. Aus diesem Grund liegen die Listen mit meinen täglichen Fitnessübungen neben der Fernbedienung. Keine Chance, sie so zu übersehen 😉

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