LIFE

Von Karten und Launen


Letzte und vorletzte Woche ging es mir nicht so gut. Ich war nicht richtig krank, aber auch nicht richtig gesund.
Was ich aber war, war leidend. Und das konnte ich sogar echt gut.
Immerhin hatte ich Kopfweh, musste manchmal husten, meine Arbeit stresste mich nur und erst diese Müdigkeit …
Wie soll man sich da konzentrieren, funktionieren, oder im Leben voran kommen?
Ich war ein Opfer meines Immunsystems, gefangen in einer sich anbahnenden Erkältung, die einfach nicht ausbrechen wollte!
Und solange die Erkältung nicht endlich ausbrach oder verschwand, konnte ich ja gar nichts machen!
Ergo konnte ich auch nichts dafür, dass ich die Abende eher vergammelt habe als alles andere. Es lag ja an der Vielleicht-Erkältung.

Und dann kam der Donnerstag.

Am Donnerstag letzte Woche gipfelte mein Leid in tosenden Kopfschmerzen, die mich früher aus dem Büro und nach Hause trieben.
Da das Wochenende näher rückte, beschäftigte ich mich gedanklich mit meinen Plänen. Am Samstag wollte ich morgens einen potentiellen neuen Netzwerkkontakt treffen, abends zu einem ersten AuthorWing-NaNo-Treffen (mit Gästen) gehen und dazwischen schreiben.
Sonntags wollte ich endlich wieder meine beste Freundin besuchen, die Zwillinge bekommen hat. Dazu musste ich aber gesund sein und ich hatte meinen Besuch bei ihr schon zweimal verschoben, weil ich „Halbkrank“ war.

Das brachte meine Gedanken ins rattern und ich stellte fest: Ich bin selbst an meiner Situation schuld.
Ich kann nicht richtig gesund werden, wenn ich eigentlich hoffe krank zu werden, damit ich zu Hause bleiben kann.
Ich kann aber auch nicht richtig krank werden, wenn ich eigentlich gesund sein will, um die Babies zu besuchen.

Gedanken. Haben. Macht.

Und das nicht zu knapp!
Was folgte, war ein längst überfälliger Arschtritt von mir an mich selbst – denn plötzlich merkte ich, auf was ich da zurückblickte: Auf eine Woche Gejammer, die mir nicht im Mindesten etwas gebracht hat. Weder umgesetzte Aufgaben, noch Erholung.

Die bissige Karte

Ich ärgerte mich, dass ich mich so viele Tage im Selbstmitleid gesuhlt hatte. Als Ergebnis war ich wie gesagt weder erholt, noch gesund und schon gar nicht auf Kurs. Im NaNo hing ich über 10.250 Wörter zurück (und jeden Tag kommen für mich 3.334 Wörter dazu), die ich jetzt zusätzlich wieder reinholen muss.

Freude, Wut, Mitgefühl, Angriff, Biss – das sind nur einige der „Karten“, die in jedem von uns schlummern und ich erinnerte mich daran, dass ich gelernt hatte, wie ich diese Karten je nach Bedarf ziehen kann.
Ich entschied mich für die bissige Karte.

Auf meiner bissigen Karte steht so etwas wie: „Reiß dich zusammen, hör auf zu heulen, finde eine Lösung und geh sie an! Sofort!“
Und genau das tat ich: Ich setzte mich hin, sah mir das Chaos an, dass ich in den Jammertagen hinterlassen hatte und schrieb mir auf, was ich tun musste, um es wieder zu beseitigen.
Aus dieser To-Do-Liste zog ich mir drei Aufgaben, die ich am nächsten Tag direkt erledigen wollte und ging früh ins Bett.

Der nächste Morgen hat selbst mich überrascht: Meine Kopfschmerzen waren verschwunden, die Nase frei und ich war nicht nur nicht schlapp, sondern strotzte sogar regelrecht vor Energie!
Motiviert startete ich in den Tag, leistete gute Arbeit in meinem Brotjob, führte ein produktives Gespräch mit meinem Wirtschaftsberater, schaffte endlich die Grundlage für eine bessere Zusammenarbeit im AW-Team und machte mir klar, was ich bezüglich AW will und was ich dafür tun muss.
Am Abend war ich so begeistert von meinem Tag, dass ich beschloss, die Karte mit dem Biss noch eine Weile auszuspielen.

Das gemischte Blatt

Die Karte mit Biss, meine motivierende, treibende Karte ist nach wie vor die, die ich zur Zeit hauptsächlich spiele – und sie funktioniert!
Trotzdem ist es wichtig darauf zu achten, sich nicht nur und ausschließlich auf eine der Karten zu verlassen. Denn mit den Karten ist es wie mit allem anderen:

Auch zu viel von etwas Gutem ist am Ende Gift.

Deshalb ist es wichtig, hin und wieder auch andere Karten auf der Hand zu haben. Biss ist zur Zeit das, was ich brauche, um meine Pläne umzusetzen. Ich brauche es, um mich weniger ablenken zu lassen und mich mehr auf meine Ziele zu konzentrieren.
Biss allein ist aber nicht das, was mich als Menschen ausmachen soll.

Samstag sah ich eine Frau, die sich mit ihrem schweren Koffer auf den Bahnhofstreppen fast verhob. Also zog ich für diesen Augenblick eine neue Karte: Hilfsbereitschaft.
Zu zweit war es einfacher, den Koffer hochzuschleppen, auch wenn es mich eine Minute meiner schon verplanten Zeit kostete.
Als Belohnung konnte ich ihr eine Freude machen und sowohl sie, als auch ich, setzten unseren Tag mit einem besseren Gefühl fort.

Am Sonntag besuchte ich endlich meine Freunde mit ihren Zwillingen und zog noch drei weitere Karten: Freude. Ruhe. Liebe.
Ich konnte eine Verbindung zu meinem kleinen Lieblingsmann und meiner Lieblingsfrau aufbauen, meinen Freunden gleichzeitig unter die Arme greifen und die Freundschaft zu ihnen ein wenig pflegen.

Die Veränderung

Seit meinem Arschtritt am Donnerstag sind erst vier Tage vergangen – und trotzdem hat sich meine halbe Welt verändert.
Es geht mir besser, ich bin wieder zufrieden und glücklich, ich habe eine Menge toller Leute getroffen und viele von ihnen neu kennen gelernt. Ich habe neue Netzwerkkontakte gewonnen, die im nächsten Jahr sehr wichtig für mich werden, war wieder beim Training und auch die Ideen für meine Selbstständigkeit sprudeln seitdem ohne Unterlass.
Die meisten davon halte ich in einem meiner neuen Notizbücher für das betreffende Projekt fest, das ich heute früh mit euch auf Instagram geteilt habe:

Und was hätte ich in den vier Tagen erreicht, wenn ich so weiter gemacht hätte wie bisher?
Vermutlich hätte ich alle Treffen abgesagt, bei ein paar Freunden weiter darüber gejammert wie schlimm meine derzeitige Situation ist, die ganze Zeit Serien geguckt und ungesundes Zeug in mich reingestopft.
Ich würde mich heute immer noch mies und „irgendwie vielleicht erkältet“ fühlen – und mir dabei selbst schaden, ohne es zugeben zu wollen.

Wart ihr schon mal in einer Situation, in der ihr gemerkt habt, dass ihr nur vor euch hinjammert? Wie seid ihr aus dieser Situation wieder herausgekommen und was hat es euch gebracht? Was habt ihr dabei gelernt?
Ich freue mich auf eure Erfahrungen in den Kommentaren! 🙂 

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