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Was tun bei schwierigen Szenen?

Heute gibt es mal wieder ein wenig Autoren-Stuff.
Wer meine Facebookseite verfolgt, weiß, dass ich aktuell wieder fleißig an Bruderkrieg schreibe, um meine Debut Trilogie endlich zu beenden. Im Dezember 2015 fing mit Blutsbande alles an – 2016 sind dann Schattenwolf und die Novelle Joshua erschienen. Dieses Jahr beende ich die Reise des Rudels. Einerseits freue ich mich darauf, tatsächlich etwas abzuschließen, was über ein Buch hinausgeht, andererseits werde ich die Jungs sicher auch vermissen. Glücklicherweise habe ich noch ein oder zwei Sequels in Planung, die die einzelnen Figuren weiter begleiten. Vielleicht gibt es auch noch das ein oder andere Prequel, so wie Joshua. Wünsche von Lesern sind genug da und auch ich selbst habe noch die eine oder andere Idee im Kopf.

Die Haupttrilogie geht aber langsam ihrem Ende entgegen und das bedeutet für mich: Das Schreiben wird immer schwieriger.
Zum einen, weil das Ende eines Buches für mich immer anstrengend ist. Zum anderen, weil ich jetzt in Gebiete vorstoße, die neu für mich sind.
Seit Jahren schon schreibe ich über Vampire, Werwölfe und andere Supernaturals. Über sich prügelnde Typen, Liebesgeschichten, großes Drama und gefährliche Momente. Ich schreibe Männer, Frauen, Kinder, Babys und sogar Tiere. Ich liebe es, in die verschiedenen Rollen abzutauchen, mich darauf einzulassen, wie ein Kind denken würde, wie sich ein Tier bewegt und benimmt, was Mann oder Frau sagen würden.

Aber jetzt geht es auch um blutige, wütende Rache. Um Liebe zwischen Männern. Um Grausamkeiten und Sadisten. Um Folter. Die Konflikte, die ich lösen muss, sind größer geworden und mir steht eine riesige Schlacht bevor. Immer mehr Figuren und Schicksale tauchen auf, weil das, was jetzt kommt, so viel größer ist, als mein Rudel.

Blicke ich jetzt von den Arbeiten zu Bruderkrieg auf und sehe zu Blutsbande zurück, erscheint mir dieses erste Buch geradezu winzig.
Seit ein paar Tagen schreibe ich nun an den Kapiteln, in denen es um einen der Endgegner, um Rache und einen Kampf auf Leben und Tod geht.
Und das ist sehr viel schwieriger zu schreiben, als ich zuerst annahm. Normalerweise gefällt mir auch meine Rohfassung schon recht gut und in der Regel ist sie auch relativ vorzeigbar.
Bei den aktuellen Szenen muss ich aber hart gegen den Drang ankämpfen, nicht an jedem Satz zu feilen, bis er mir gefällt, weil ich sonst nie voran kommen würde. Momentan ist das Schreiben tatsächlich das: Harte Arbeit.

Ich habe schwierige Szenen – wieso tippe ich trotzdem jeden Morgen um die 1.000 – 2.500 Wörter?

Schwierige Szenen hinkriegen

Der Schlüssel ist einfach zu verstehen:

Ich schreibe sie einfach auf. Finger auf die Tastatur und los.

Umzusetzen ist es dafür umso schwieriger. Denn ich – wie wohl jeder Autor – habe einen inneren Kritiker im Kopf, der sich auch während des Schreibens nur sehr schwer unter Kontrolle bringen lässt.
Ich weiß, dass ich erstmal nur das, was passiert, zu Papier bringen muss, egal wie.
Die Sätze müssen nicht schön sein. Die Szenen nicht fein ausgearbeitet.

Eine leere Seite kannst du nicht überarbeiten.

Und deshalb muss ich meine Seiten erst einmal füllen. Auch wenn ich sehe, wo es an Tiefe fehlt, wo an Gefühl, an Beschreibung und es fast wehtut, diese Stellen so nackt und ungeschmückt zurückzulassen.

Andererseits weiß ich ganz genau: Wenn ich jetzt zulasse, zu feilen, bevor ich alles fertig geschrieben habe, werde ich nicht nur langsam, sondern mache mir auch doppelte Arbeit.
Es kommt immer mal wieder vor, dass was umgeschrieben werden muss. Denn auch wenn sie grob vorgeplottet ist, baut sich die Geschichte beim Schreiben oft noch einmal um. Gerade Bruderkrieg ist da ein Kandidat für. In Schattenwolf haben die Figuren irgendwann das Kommando übernommen und treiben mich seitdem vor sich her. Würde ich Tage und Wochen für den Feinschliff verschwenden, wenn die Geschichte noch nicht einmal fertig ist, laufe ich Gefahr, all diese Zeit zu verschwenden, weil die geschliffenen Stellen hinterher ohnehin nochmal ersetzt werden.

Das Mantra

Trotz dieses Wissens fällt es mir an manchen Stellen unglaublich schwer, einfach weiterzutippen. Ich habe viele Sätze im Manuskript, die ich als hässlich empfinde. Aber sie tun das, was sie sollen: Sie sagen aus, was gerade passiert. Mehr müssen sie im aktuellen Status auch nicht tun. Das Aufhübschen ist in der nächsten Runde dran.

Der Trick, den ich für mich entdeckt habe, ist mein Mantra:

Es ist nur die Rohfassung. Schreib weiter.

Simpel und fast schon zu einfach. Aber es funktioniert. Mir immer wieder das zu sagen, was ich schon weiß, in dem Moment aber nicht fühle, hilft mir dabei, mich auf das zu konzentrieren, was jetzt meine Aufgabe ist: Diese Geschichte zu Papier zu bringen. In der Rohfassung.

Und ich glaube kaum, dass ich das sage: Aber dieses Mal freue ich mich schon richtig auf die Überarbeitung. 😉

Wie geht ihr mit schwierigen Szenen um? Ich freue mich auf Kommentare! 🙂 

 

3 Comments on “Was tun bei schwierigen Szenen?

  1. Ich finde es so witzig, dass es bei mir genau das Gegenteil ist…
    Folter, Blut, Tod, Zerstörung, herausquellende Gedärme, bei lebendigem Leibe vergrabene Menschen mit Vampirblut im Mund, Verzweiflung und Niedertracht… Das wuppe ich mit Leichtigkeit.
    Aber wenn meine Charaktere auf einmal so banale Dinge tun wie Knutschen, sich verlieben oder miteinander schlafen… ähm ^^…
    Aber ja. Einfach schreiben. Egal wie schwer es ist <3

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