Das liebe Geld

Das liebe Geld

Wenn ich mit der Bahn unterwegs bin, nutze ich die Fahrzeit gern aus. Ich schreibe Einkaufszettel, to do Listen, lerne die aktuelle Lektion oder grüble über mein Buch nach, über Charakterzüge, einzelne Szenen, über die Beziehungen der Figuren untereinander und noch vieles mehr.

Heute schoss mir dabei eine Frage durch den Kopf, an die ich bislang noch gar nicht dachte, die aber ziemlich wichtig ist: Womit verdienen meine Figuren ihren Lebensunterhalt?

Die Umstände

Zunächst einmal sollte man die Lebensumstände seiner Figur betrachten. Wie alt ist die Person, ist sie Schüler, Student oder sonst irgendwie eingeschränkt (kann nur Nachts ins Freie, entwickelt bei Vollmond seltsame Gelüste, hat eine Allergie gegen Radiergummiflusen und so weiter)? Sprich, ist sie überhaupt in der Position um einer geregelten Arbeit nachzugehen?
Bitte bedenkt, auch jemand der sich nur von z.B. Blut ernährt braucht Geld für Kleidung, eine Unterkunft und vieles mehr. Selbst wenn ihr eure Figur in ein geerbtes altes Haus setzt, auch dieses muss Instand gehalten werden, auch dort wird Strom und Wasser verbraucht.

Die Figur

Ist eure Figur in der Lage zu arbeiten, steht die nächste Frage im Raum: Haben er oder sie überhaupt Lust dazu? Nicht jede Figur kann man hinter den Tresen einer düsteren Bar oder in die Haute Couture Abteilung eines Modegeschäfts stecken.
Außerdem muss man die Fähigkeiten seiner Figur im Auge behalten. Wurde eure Figur zum sympathisch tollpatschigen Antihelden auserkoren der den Roman nur durch Glück und einen schlauen Helfer überlebt, macht er sich in der Position eines Bombenentschärfers eher nicht so gut.

Der Zeitaufwand

Eure Figur hat innerhalb der Geschichte eine bestimmte Aufgabe. Sie muss Dinge erleben, Fälle lösen, Monster jagen oder ihnen entkommen oder die große Liebe finden.
Gebt ihr eurer Figur nun einen Job in dem sie 90 Stunden die Woche und mehr arbeiten muss, vernachlässigt sie entweder ihre Aufgabe innerhalb der Geschichte (sofern es darin nicht eben um genau diese Arbeit geht), oder schultert die Arbeit der 90 Stunden Woche in 40 oder weniger Stunden, während sie nachts noch zusätzlich böse Jungs jagt – und das wirkt unglaubwürdig.

Möglichkeiten zur Geldbeschaffung

Die einfachste Methode um eurer Figur Geld zu verschaffen ist – richtig: Das Erbe. Ein reicher Verwandter starb, die Familie hatte schon immer Geld oder man ist eben einfach reich. Niemanden interessiert es woher das Geld kommt, oder wie es vermehrt wird, notfalls schwafelt man noch irgend etwas von „gut angelegt“ und stellt einen Buchhalter ein, fertig. Diese Lösung überschneidet sich allerdings wieder mit dem ersten Punkt der Überlegungen: Den Umständen.
Der zerlumpte Cop mit dem Dreitagebart wird wohl kaum ein paar Millionen auf der Bank haben. Nicht das es einem Millionär nicht zusteht auch mal zerlumpt und mit Dreitagebart herum zu laufen – allerdings wäre die Wahrscheinlichkeit das er mit soviel Geld in der Hinterhand einen schlecht bezahlten und Lebensgefährlichen Job annehmen würde, eher unwahrscheinlich.

Wie beschafft man sich also Geld wenn man eine Figur aus einem Roman ist?
Nachfolgend habe ich ein paar Ideen zusammen getragen, in welche Richtung man seine Figuren unter Beachtung der oben genannten Punkte gehen lassen kann:

  • das Erbe (eine ziemlich abgegriffene Möglichkeit)
  • eine Halbtagstelle im Cafe/Bar/Laden (z.B. für Schüler/Studenten)
  • Unterhalt durch die Eltern (jüngere Figuren)
  • Rente (z.B. auch Unfallrente)
  • ein Gönner (für Gutmensch-Figuren eher ungeeignet)
  • Kriminalität (Raub- und Banküberfälle, Taschendiebstahl, Schmuggel etc.)
  • eigene Firma
  • betteln/schnorren
  • ein Ganztagsjob
  • „Ratte“ (Tippgeber für die ein- oder andere Organisation)
  • Hausfrau/Hausmann
  • Lottogewinn (ebenso abgegriffen wie das Erbe)
  • Verkauf von eigenen Produkten im kleineren oder größeren Stil
  • Prostitution/Begleitservice
  • Testperson
  • Sicherheitsmann/frau
  • Bodyguard
  • Kopfgeldjäger
  • Söldner/Soldat
  • Monsterjäger (sofern es Abnehmer für Monsterköpfe im Buch gibt)
  • Agent
  • Lebenskünstler

Sicherlich ließe sich die Liste noch weiter führen, wenn ihr noch andere Ideen habt, schreibt sie einfach in die Kommentare, ich ergänze die Liste gern.

Ally 

6 Gedanken zu „Das liebe Geld

  1. Danke für den Post – ich lese das immer wieder vor allem bei Fanfictions (aber auch in einigen Jugendfantasyschinken, die darum nicht schlecht sein müssen!), dass die Autoren den Protagonisten erstmal mit einem vom Himmel gefallenen Vermögen ausstatten. Das passiert ja auch bei „Harry Potter“, wo er die Galleonen seiner Eltern erbt.
    Damit entgeht man dem Problem, von dem du geschrieben hast – der Held kann sich ganz dem Weltrettertum (oder was auch immer) hingeben, da er nicht arbeiten muss.
    Außer in begründeten Ausnahmen (wie bei HP, einem Schüler ohne Jobbingmöglichkeiten *g*) ist das aber eher billig und daher finde ich es wichtig, sich über das Gedanken zu machen, wovon du geschrieben hast.

    Meine Biografien sind da immer schlüssig, hoffe ich mal…

    1. Danke für deinen zeitnahen Kommentar! Ich begann den Artikel in der App beim Bahnfahren und dachte ich hätte ihn nur zwischengespeichert als ich ausstieg – stattdessen wurde er direkt hochgeladen. Durch dich habe ich das relativ schnell bemerkt und konnte den Artikel noch fix beenden und in die richtige Form bringen. Danke!

      Zu deinem Kommentar: Das Phänomen „er/sie hat halt geerbt“ sehe ich auch immer wieder, in diversen Geschichten die geschrieben werden und es stört mich schon lange. Sicher ist es eine einfache Lösung, dabei ist Geldmangel ein so wunderbares Konfliktmaterial! Wie entwickelt sich die Figur wenn sie in Geldnot ist, welche Eigenschaften werden verstärkt, welche verschwinden? Was wäre die Figur bereit zu tun um wieder an Geld zu kommen? Bewusst habe ich in meine Aufzählung nicht nur „saubere“ Möglichkeiten aufgenommen um an Geld zu kommen, um ein möglichst breites Spektrum dessen aufzuzeigen, wohin man seine Figuren schicken kann, um die ganze Sache ein bisschen spannender zu machen.

      1. Uh, gerngeschehen! Dann konnte ich quasi vorablesen *g*.

        Wie gesagt, es gibt wenige Bücher, bei denen es mich nicht stört, wenn die Leute einfach erben. „Harry Potter“ ist so ein Beispiel. Ich wüsste nicht, wann/wo der jobben sollte.
        Oder Stephanie „bei Skulduggery Pleasant“ – sie MUSSTE den ganzen Kram erben, damit die Story ins Rollen kommt (und außerdem kommt das Buch sehr sarkastisch daher und lässt absichtlich kein Klischee aus).

        Aber ja, du hast Recht – Geldmangel kann die Story um interessante Aspekte bereichern und den Protagonisten noch mal in eine andere Situation bringen. Dadurch sieht man andere Charaktereigenschaften, die sonst verborgen waren.
        Deine Aufzählung finde ich recht ausführlich :).

        Ich habe außerdem noch „An die Börse gehen“ (wofür man aber eine gutgehende Firma benötigt), Ghostwriter, Künstler für deine Liste.

        1. Ja bei Harry Potter finde ich es auch legitim, immerhin baut die Story u.a. darauf auf das seine Eltern tot sind – auch wenn meines Wissens nach offen bleibt warum sie so viel Geld hatten?

          Für meine Figuren habe ich die jeweilige Geldquelle gestern noch festgelegt – ich bin gespannt ob das die jeweilige Figur sympathischer macht oder eher nicht.

          Deine Vorschläge arbeite ich ein wenn ich wieder zu Hause bin =)

  2. Kann leider nicht direkt auf deinen Kommentar antworten (Technik…) aber es ist als Antwort gemeint:
    Eben. Bei HP ist es absolut okay. Wo ich es dagegen daneben finde, ist in diesem Machwerk (das ich zum Glück nur von der Rezension kenne und an das ich zuerst denken musste, als mir „man erbt das Geld einfach“ in den Sinn kam): http://www.klopfers-web.de/stefonrudel.php
    Wollte dir diesen Link schon gestern geben, konnte ihn aber selbst nicht mehr finden.
    Was dein Buch angeht, weißt du ja, wo du mich findest, falls du Betaleser brauchst!

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