Inspiration finden

Inspiration finden

Wer anfängt zu schreiben, tut dies meistens weil er eine Idee hat. Ein Charakter mit einer Geschichte spaziert einem plötzlich durch den Kopf, oder eine eigene Welt nimmt Gestalt an und der Drang es nieder zu schreiben wird so übermächtig, das man es schließlich tut.
Dieses Niederschreiben ergibt allerdings nur ein paar erste Notizen und noch kein ganzes Kapitel, geschweige denn einen kompletten Roman.

Was macht man nun mit dieser Stadt, diesem Land oder der Figur die man erschaffen hat und die noch recht unfertig auf einem Notizzettel vor sich hinvegetiert? Woher kommt die Geschichte dahinter und wie spinnt man sie weiter?

Ideen müssen her. Nur woher nehmen wenn nicht stehlen?

Inspiration durch Bilder

Bilder sind Quellen für neue Ideen. Das kann eine schöne Bucht mit blauem Meer sein, ein grüner Urwald, oder auch nur das Bild eines alten Traktorreifens mitten in einem Kornfeld. Was auch immer ihr schreiben wollt, sucht euch thematisch passende Bilder. Sucht euch thematisch überhaupt nicht passende Bilder. Klickt euch kreuz und quer durch Instagram, weheartit oder tumbrl. Hauptsache ihr bekommt virtuellen Input. Wenn ihr nicht wisst, wie eure Figur genau aussehen oder sich benehmen soll, googelt nach Schauspielern, Models oder „normalen Leuten“. Irgendwann werdet ihr auf ein Bild stoßen, das euch regelrecht anspringt und von dem ihr wisst: Das ist eure Figur. Das schöne daran ist: Mit der Zeit wird euch die Bildersuche leichter fallen, weil ihr unterbewusst wisst wonach ihr sucht. Weil ihr vieles schon mal gesehen habt und oft bleibt eine dunkle Erinnerung zurück, die ihr später noch einmal für eine andere Figur, eine andere Geschichte aufgreifen könnt.
Passende Bilder solltet ihr euch runter laden und in einem Ordner archivieren, nur für euch. So könnt ihr bei Schreibblockaden immer wieder durch die Bilder klicken, ein wenig vor euch hinträumen und die Gedanken schweifen lassen, bis eine neue Idee Gestalt annimmt und ihr weiter arbeiten könnt.

Inspiration durch Film

Natürlich sollt ihr keine komplette Filmstory abschreiben, immerhin gibt es diese Geschichte ja schon. Allerdings können auch Filme eine gute Inspirationsquelle sein. Hauptsächlich ist es das selbe Prinzip wie mit den Bildern, nur das diese in dem Fall bewegte Bilder sind. Schaut euch Serien oder Filme an, Ausschnitte reichen dabei oft aus. Zappt euch Abends einfach durchs Programm und bleibt bei dem ein oder anderen Film für ein paar Minuten hängen.
Dabei solltet ihr auf folgende Dinge achten:

  • Wie bewegen sich die Schauspieler?
  • Was tun sie um nicht starr dazustehen? (zb. rauchen, trinken, essen, zappeln, sich die Haare hinters Ohr streichen, beim sprechen gestikulieren usw.)
  • Wie ist ihre Mimik?
  • Sprechen sie laut oder leise um bestimmte Dinge auszudrücken?
  • Haben sie bestimmte Macken oder Ticks die einem auffallen?
  • Was sagen ihre Blicke aus?

Es gibt noch vieles mehr auf das man achten kann und einiges davon solltet ihr euch als Notizen vermerken, um euren Figuren später mehr Leben einzuhauchen. Ein Wesen das mit einem anderen spricht, steht nämlich nie einfach nur starr da und redet. Man bewegt sich, die ganze Zeit über. Selbst wenn eure Figur an einen Stuhl gebunden wäre, würde sie vermutlich versuchen auf diesem Stuhl herum zu rutschen, vielleicht die Stirn in Falten legen, mit dem Kopf wackeln und so weiter.
Menschen in einem Film ganz genau zuzusehen wie sie sich bewegen, ist eine der effektivsten Methoden, um etwas darüber zu lernen wie man seine Figuren agieren lassen sollte. Natürlich geht das auch mit normalen Menschen in Cafes oder auf der Straße. Hierbei solltet ihr aber darauf achten, die Leute nicht einfach nur anzustarren – manch einer könnte das beängstigend finden.

Inspiration durch Musik

Music on. World off.
Dieser Spruch geistert schon wer weiß wie lange durch das Internet und er beschreibt eigentlich ziemlich genau was mit „Inspiration durch Musik“ gemeint ist. Sucht euch ein paar Songs raus, welche von der Grundstimmung her zu eurer aktuellen Szene oder dem Buch als ganzen passen und hört sie rauf und runter. Lasst dabei euren Blick schweifen oder schließt die Augen, um ein bisschen vor euch hinzuträumen. Stellt euch euren Charakter vor, lasst ihn vor eurem inneren Auge Gestalt annehmen und sich anschließend zu der Musik bewegen – im Tanz, im Kampf oder wie er einfach nur eine Tasse Kaffe trinkt und an eine Frau denkt, die er vermisst. Ihr könnt auch einfach zwei eurer Figuren in eine Szene schubsen die sie so nie erlebt haben, um auszuprobieren wie sie sich verhalten. Daraus muss keine Szene werden die ihr ins Buch übernehmt – etwas daraus mitnehmen könnt ihr dennoch, denn so lernt ihr eure Figuren besser kennen.

Inspiration durch andere

Wenn ihr nicht wisst über was ihr Schreiben wollt, dann lest. Lest Blogs von Autoren die euch Tipps geben, Biographien von außergewöhnlichen Menschen, Zeitschriftenartikel über erfolgreiche Leute und ähnliches. Wie machen es andere, was kann ich mir bei anderen abschauen und in meine eigene Arbeit integrieren?
Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich spreche hierbei nicht vom abkupfern oder Ideen klauen. Aber es ist nichts falsches dabei, einfach mal über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen und zu gucken, wie andere es machen. Warum nicht aus den Fehlern anderer lernen, warum nicht von ihren Erfahrungen profitieren? Auch sie haben das Rad nicht neu erfunden, sondern von anderen gelernt und wir sollten uns nicht zu fein sein, das ebenfalls zu tun. Es geht also hauptsächlich darum, Arbeitsschritte und Arbeitsweisen abzuschauen, nicht die Ideen zu den Geschichten.

Meine neueste Inspiration

Die Idee zu diesem Artikel ist mir gekommen, als ich vor ein paar Tagen selbst neu inspiriert worden bin. Zu einer neuen Arbeitsweise, um an das Buch heran zu gehen. Einen Teil übernehme ich natürlich aus meinem Studium und der Teil den ich nun ergänzt habe ist auch ein Recht kleiner. Aber dennoch fand ich die Herangehensweise dieses anderen Autors ziemlich inspirierend, sodass ich mir Notizen dazu gemacht habe, wie ich dieses Schema in meine eigene Arbeitsweise einpflegen kann. Zu meiner Schande muss ich gestehen das ich diese Notizen nur im Geiste machte und nicht in mein Notizbuch schrieb, doch da das Buch aus dem ich den Denkanstoß habe mir gehört, habe ich auch die Inspiration greifbar und kann sie jederzeit durch erneutes Lesen wieder abrufen.
Es handelt sich um die neueste Auflage des vierten Bandes der Eragon-Saga. Der Autor, Christopher Paolini hat diesem Band ein Vorwort hinzugefügt, in welchem er unter anderem beschreibt, wie er an die Arbeit der Eragon-Geschichte herangegangen ist. Fortschritte und Rückschläge, sowie Richtungswechsel und schließlich der bekannte Erfolg – all das hat er in einer kurzen Beschreibung festgehalten und damit gezeigt dass auch jemand mit solchem Erfolg hart dafür gearbeitet hat, überhaupt je ein Buch fertig zu bekommen. Er musste Rückschläge hinnehmen wie wir alle. Auch er hat so einige Projekte gegen die Wand gefahren, bzw. nicht weiter geführt, auch er hat gezweifelt, aufgegeben und wieder neu angesetzt, bis es schließlich doch funktioniert hat.

Und gerade solche Geschichten finde ich extrem inspirierend, denn sie machen mir Mut. Man muss nicht von Anfang an perfekt sein, um als Autor Erfolg zu haben. Es geht um den Lernprozess den man durchläuft, darum während dieser Reise „Ich schreibe ein Buch“ über sich selbst hinaus zu wachsen und am Ende etwas zu haben worauf man Stolz sein kann.

Fazit

Haltet die Augen offen, denn Inspiration könnt ihr überall finden, wenn ihr euch nur wirklich darauf einlasst. Es sind oft die kleinen Dinge, die ausschlaggebend dafür sind wie eure Geschichte weiter verläuft. Fangt an zu träumen, eure Geschichte immer weiter zu spinnen und haltet Dinge die euch gut gefallen fest.
Jeder Mensch besitzt Fantasie – ihr müsst nur lernen damit umzugehen.

Ally

11 Gedanken zu „Inspiration finden

  1. Naja, ich muss nie bewusst nach Inspiration suchen bzw. könnte ich das auch gar nicht. Wenn ich dasäße und auf der Suche nach Ideen irgendwo rumsuchen würde, hätte ich bald das Gefühl, was falsch zu machen – denn Inspiration lässt sich kaum erzwingen.
    Es läuft bei mir eher so: Ich höre eine bestimmte Melodie – und habe Kopfkino mit meinen Figuren. Oder ich sehe ein Bild – und habe sofort eine Szene vor Augen oder einen Namen im Kopf. Oder ich schaue einen Film und kann mich kaum konzentrieren, weil mir dauernd Dinge zu meinem Kram einfallen, die ich dringend notieren müsste.
    Der umgekehrte Weg funktioniert bei mir nicht.
    Vielleicht wäre es anders, wenn ich unter Vertrag stünde und ein Verlag mir Fristen setzt, sodass ich mich unter Druck setzen muss, um fertig zu werden. Aber im Moment kann ich es mir nicht vorstellen, bewusst nach Inspiration zu suchen. Ich lasse mich lieber von ihr finden.

    1. Ab der Mitte deines Kommentars musste ich grinsen. Du schreibst das du nicht bewusst nach Inspiration suchst, zählst aber anschließend genau das selbe auf, was ich auch als Orte der Inspirationsfindung genannt hatte.

      Ich meinte nämlich auch nicht, dass man krampfhaft auf Bilder oder Videos starren soll, um _die_ zündende Idee zu finden. Da gebe ich dir vollkommen Recht – das funktioniert nicht. Aber jeder kennt das, das der Kopf einfach völlig leer ist und einem so gar nichts mehr einfallen will. Wenn es bei mir soweit ist, versuche ich meinen Kopf einfach leer zu machen, scrolle durch ein paar hübsche Bilder, klicke mich auf youtube durch Fanvideos oder mache es gern auch wie du: Augen zu, Musik an.
      Wenn ich mir meine beiden Figuren dann ins Gedächtnis rufe und die Szene einfach zur Musik ablaufen lasse, entstehen dadurch ganz eigene Ansätze und kleine Geschichten, die ich ganz oder zumindest ansatzweise gebrauchen kann.

      Vermutlich hätte ich noch ein wenig besser herausstellen müssen wie ich das mit der Inspiration meinte. Ich versuche beim nächsten Mal darauf zu achten – danke für deinen Kommentar! =)

      1. Klar habe ich dieselben Dinge wie du genannt – weil ich mich auf deinen Blogeintrag bezogen habe *g*. Stünde bei dir was anderes, hätte ich was anderes geschrieben.
        Zugegeben, mich stört eine eventuelle Leere im Kopf grundsätzlich nie. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass alles, was ich gegen die Leere zu schreiben versuche, sowieso im Papierkorb landet. Also kann ich es auch gleich lassen und warten, bis die Muse von selbst wiederkommt.
        Der Hauptunterschied ist, dass du bewusst so Zeugs ansurfst, während ich meist zufällig darüber stolpere und nie auf die Idee käme, nach Inspiration zu suchen.
        Aber dass völlig neue Ansätze beim Musikhören etc. entstehen, da stimme ich dir zu! Es geht mir oft genug genauso und ich tippe alles erstmal ins Handy, ehe ich es verwerte.

        Und ich kommentiere immer wieder gern bei dir 🙂

  2. Hm, meine Antwort auf deinen Kommi hat er nicht genommen, Evanesca. :/

    Also hier noch einmal:

    Dann habe ich deinen Kommi falsch verstanden gehabt, es las sich so als würdest du erst widersprechen und im nächsten Absatz doch zustimmen. *g*

    Aber du hast Recht, Musik läuft bei mir auch am Besten. Die Figuren bewegen sich von ganz allein, es ist richtiggehendes „Kopfkino“. *g*

    Das freut mich. 🙂

    PS: Alle anderen sind natürlich dazu eingeladen, Evanesca beim Kommentieren kräftig zu unterstützen. ;D

  3. Ich hab einige Inspirationen eingesammelt in meinen anderen Blogs 🙂 Oder ich hab einfach mal zu einem Brainstorming aufgerufen und geschaut, was da so herüber kommt.
    Möglichkeiten gibt es genug um neue Ideen zu sammeln. Du hast ja schon die Wichtigsten hier aufgezählt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.