Warum du tun solltest, was du liebst

„Wenn du tust, was du liebst, wirst du nie wieder in deinem Leben arbeiten.“ (Konfuzius)

Diesen Spruch hast du bestimmt schon mal gehört. Diesen Spruch hat vermutlich jeder schon mal gehört. Eigentlich ist er auch recht einfach zu deuten. Tue was du liebst, dann musst du nicht arbeiten gehen. Ergo suche dir einen Job bzw. eine Aufgabe, die du wirklich gern tust und umgib dich dabei mit Menschen, mit denen du die Zeit gern verbringst.

Das ist eigentlich sehr einfach. Denn ich hatte einen Job, in dem ich nicht glücklich war. Die Arbeit hat mich gelangweilt und auch das Arbeitsklima war mäßig. Alles in allem habe ich mich davon runterziehen lassen und das ging so weit, dass ich auch zu Hause kaum noch etwas schaffte. Zeit war genug da, ich hatte nur absolut keinen Antrieb. Ich habe keine Entscheidungen getroffen und deshalb eher vor mich hingedümpelt. Alles, was ich hätte tun müssen, um das zu ändern: Mir einen neuen Job suchen.

Aber ich habe es nicht getan. Warum? Weil wir Gewohnheitstiere sind. Weil wir beigebracht bekommen, nach falscher Sicherheit zu streben. Immerhin hatte ich einen Job und damit ein sicheres Einkommen. Alles andere hatte also Zeit. Schließlich war ja alles so, wie es „sein sollte“. Oder?

Wenn du nicht glücklich bist, ist etwas nicht in Ordnung

Ich habe mir irgendwann in den letzten Jahren zum Ziel gesetzt, ein glückliches Leben zu führen. Ich habe bestimmte Vorstellungen davon, wie mein Leben ablaufen soll. Teilweise sind sie zwar noch etwas vage, aber die Richtung ist mir bekannt. Und ich kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ein Bürojob, der mir keinen Spaß macht und zu dem ich mich täglich hinquälen muss, definitiv nicht dazu gehört.

Wenn ich mich in den sozialen Medien so umsehe, sehe ich gerade Montags vor allem eins: Heulpostings darüber, dass man zur Arbeit muss. Oder wie kacke man seine Arbeit findet. Wie sehr die Kollegen schon wieder nerven. Wie sehr man den Urlaub herbeisehnt oder sich gegenseitig mit „bald ist Wochenende und wir haben es wieder hinter uns“ anfeuert.

Ist dieser Zustand wirklich erstrebenswert? Ist das die Art, wie wir unser Leben verbringen wollen?
Wenn wir fünf Tage die Woche á 8 Stunden im Büro sind, dann macht das 40 Stunden pro Woche, die wir mit etwas verbringen, gegen das viele von uns bereits eine ausgeprägte Abneigung entwickelt haben. Ziehen wir drei Wochen Urlaub ab, macht das im Jahr immer noch 1.960 Stunden, die wir mit einer Arbeit verbringen, die wir nicht tun wollen und uns dabei oft mit Menschen umgeben, die wir nicht mal sonderlich mögen. Eintausend. Neunhundert. Sechszig. Stunden. Pro Jahr. Bis zur Rente.

Verspricht das, ein glückliches Leben zu werden?

Eine Arbeit, die man liebt, ändert alles

Das Konzept mit dem „tue was du liebst“ Ansatz war mir schon vorher bekannt. Aber jetzt erlebe ich ihn zum ersten Mal live und in Farbe.
Ich gehöre zu den Menschen, die daran glauben, dass das Leben immer auf meiner Seite ist. Selbst, wenn etwas vermeindlich Schlimmes passiert, stelle ich auf den zweiten Blick fest, dass es mein Leben nachhaltig verbessert.

In diesem konkreten Fall war es ein Stellenabbau. Der Bereich, in dem ich tätig war, wurde abgebaut, die Firma verkleinerte sich wieder und ich wurde auf die Straße gesetzt. Als mein Chef mir von der Kündigung erzählte, passierte etwas spannendes.
Ich hatte nicht genug Rücklagen, um wirklich über die Runden zu kommen, ich hatte nicht mal Ansatzweise die Aussicht auf eine neue Stelle und ich hatte in den nächsten Wochen sowohl ein Seminar, als auch eine Hochzeit vor mir – für beides zusammen war ich gut anderthalb Wochen unterwegs. Der Zeitpunkt hätte nicht beschissener sein können.
Trotzdem war ich vor allem eines: erleichtert. Erleichtert darüber, diesen Job nicht mehr machen zu müssen. Erleichtert darüber, dass das Leben mir diesen Arschtritt verpasste, damit ich endlich aus selbigem kam und mir etwas anderes suchte.

Also aktivierte ich mein Netzwerk, fand zwei Firmen, bei denen ich mich initiativ bewerben konnte und bekam die Stelle, die ich unbedingt haben wollte. Und zwar nicht, weil sie mir mal eben zugeworfen wurde, sondern weil ich endlich genug Energie hatte, um mich wirklich darum zu bemühen. Insgesamt bin ich durch sechs Vorstellungsgespräche (in der selben Firma) gegangen, eines davon auf englisch.

Jetzt tue ich etwas, was mir richtig Spaß macht. Ich habe eine Arbeit und Kollegen, auf die ich mich jeden Morgen freue. Sogar am Montag. Und auch wenn ich mich freue, dass Wochenende ist, bedeutet das nicht mehr, dass ich froh bin, von der Arbeit wegzukommen. Es bedeutet, dass auch meine Wochenenden ausgefüllt sind mit Dingen und Menschen, auf die ich mich freue.

Diese neue Arbeit habe ich jetzt seit einem Monat und in diesem Monat gab es keinen einzigen Tag, an dem ich nicht glücklich gewesen bin. Es gab Tage, an denen ich mal genervt oder schlecht gelaunt war. Aber selbst dann war da dieses unterschwellige Gefühl von Zufriedenheit, das trotz meinem Murr-Tag nicht weg ging.

Ich habe nicht mehr das Gefühl, im klassischen Sinn „zur Arbeit zu müssen“. Ich treffe mich jetzt jeden Tag mit Menschen, die ich mag und respektiere. Von denen ich eine Menge lerne und dir mir helfen, in dem was ich tue, besser zu werden. Ich habe einen Chef, der mich herausfordert und Erwartungen an mich hat. Ich habe Kollegen, die mir bereitwillig erklären, was neu für mich ist und die gleichzeitig respektieren, dass ich in meinem Bereich sehr gut bin.

Mich auf die Arbeit zu freuen und mich gewertschätzt und respektiert zu fühlen, ist etwas komplett neues für mich. Teilweise fühlt es sich sogar „komisch“ an, weil es so ungewohnt ist. Ich habe gelernt, dass Arbeit etwas ist, wo man „eben hingehen muss“. Dass Arbeit eben keinen Spaß macht, aber zum Leben dazu gehört. Dass es dieser Ort ist, den man lieber meiden würde, zu dem man aber gehen muss, um sein Geld zu bekommen.

Jetzt lerne ich gerade etwas neues. Das Arbeit lernen bedeutet. Dinge auszuprobieren, Fehler zu machen und auch daraus wieder zu lernen. Sich auszutauschen und sein Wissen miteinander zu teilen. Gegenseitig kleine Aufgaben zu übernehmen, um den anderen zu unterstützen. Über sich hinauszuwachsen und coole Ergebnisse gemeinsam zu feiern.
Ich lerne gerade, dass man nicht mehr arbeiten muss, wenn man tut, was man liebt.

Bist du glücklich an deinem Arbeitsplatz?
Falls nicht: Was gedenkst du, dagegen zu unternehmen? Wann?

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