Wie schaffst du das alles nur?

Wie schaffst du das alles nur?

Lass dich nicht von dem abbringen, was du unbedingt tun willst. Wenn Liebe und Inspiration vorhanden sind, kann es nicht schief gehen. (Ella Fitzgerald)

Ich liebe es zu schreiben. Ich liebe es auch, zu trainieren und auf meine Ernährung zu achten. Ich liebe es, zwei Blogs zu betreiben (diesen hier und alicehoegner.de). Ich liebe mein neues Fernstudium zum „Personal- und Businesscoach“.
Ich liebe es, Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen, ich liebe es auch, mal zu faulenzen, zu lesen, Filme anzusehen, mich auch außerhalb des Studiums weiter zu bilden, Bücher fertig zu stellen und zu veröffentlichen, an meinen Beziehungen zu Freunden, Familie und einer Partnerschaft zu arbeiten. Einen Haushalt muss ich auch noch allein schmeißen (was ich hin und wieder dann doch weniger liebe). Und ich habe eine Vollzeitstelle. Mit der Fahrtzeit bin ich allein für diese Stelle täglich an die zehn bis elf Stunden (je nach persönlichem Befinden der GDL) unterwegs. Plus sieben Stunden Schlaf (*hust*) macht das 18 von 24 Stunden täglich. Bleiben sechs Stunden täglich für den kompletten Rest.

Wie schaffst du das alles?/Übernimm dich nicht!

Wenn ich so aufzähle, was ich alles tue, werden die Augen meines Gegenübers oft groß und es kommt entweder die Frage „wie schaffst du das alles“ oder die Warnung „Übernimm dich nicht“, gefolgt von einem ausschweifenden Beitrag über Burnout, Überanstrengung und wie wichtig Pausenzeiten sind. Manchmal hake ich direkt ein, manchmal höre ich mir in ergebenem Schweigen das an, was ich schon längst weiß. Ich trainiere inzwischen seit fast zwei Jahren und eines der wichtigsten Regeln die man im Fitnesstraining lernt, ist folgende: Ruhephasen sind fast noch wichtiger als das Training selbst, um Erfolge zu sehen.

Mir ist also durchaus bewusst, dass Ruhephasen wichtig sind  und ich halte sie auch ein.
Wenn es mir einmal nicht so gut geht, dann lasse ich auch mal fünfe gerade sein und bin auch durchaus in der Lage, mich ein paar Tage lang auszuklinken und einfach nur zu entspannen. Ohne schlechtes Gewissen. Aber auch in meinem täglichen Leben sorge ich für genügend Entspannung. Wo ich diese noch rein bekomme, bei meinem vollen Terminplan?

Es kommt auf die Sichtweise an und auf das WAS du tust

Schaust du dir meinen Tagesplan und alle meine Aufgaben an, ist das erstmal viel. Weil du nur die Aufgaben siehst, nicht aber, was sie mir bedeuten. Ein normaler Wochentag sieht bei mir momentan so aus:

  • aufstehen/anziehen/fertig machen/den Tag planen/losgehen
  • in der Bahn ein Studienkapitel durcharbeiten und die zugehörigen Aufgaben lösen (Bahn 1)
  • nach dem Umsteigen in einem Buch lesen, mit dem ich mich persönlich weiterbilde, bis ich im Büro bin
  • im Büro eine Lektion Franziösisch lernen (ich erscheine extra früher im Büro, um das vor der Arbeit tun zu können)
  • der Arbeitstag
  • auf dem Weg von der Arbeit zum Training in der Bahn an meinem Roman arbeiten (zur Zeit alte Notizen durchgehen und verwerfen oder in den Plot einarbeiten, um die nächste Überarbeitung vorzubereiten)
  • trainieren
  • auf dem Heimweg wenn nötig noch ein paar Dinge einkaufen (Lebensmittel)
  • duschen/essen/Sporttasche ausräumen
  • bloggen oder mit Freunden/Familie telefonieren und den Haushalt machen, evt. vorkochen
  • möglichst rechtzeitig ins Bett, um ausreichend Schlaf zu bekommen

Auf den ersten Blick ist das ein straffer und anstrengender Zeitplan, der kaum Raum für Entspannung lässt. Trotzdem fühle ich mich weder überfordert, noch gestresst oder gehetzt.
Wieso? Weil nur sehr wenig davon wirklich „Arbeit“ für mich ist.

Sehen wir uns den Tag noch einmal an:

Ich stehe auf, mache mich fertig und plane meinen Tag. Allein meinen Tag zu planen, macht mir Freude. Ich liebe To Do Listen und ich liebe es, zu wissen, was heute ungefähr vor mir liegt und was zu erledigen ist.
Mein Studium zum „Personal- und Businesscoach“ will ich schon lange machen. Es ist Teil der Selbstständigkeit, die ich mir erarbeite und das Thema interessiert mich so sehr, dass ich geradezu darauf brenne, „endlich“ zur Arbeit fahren zu können, damit ich lernen kann. Ich bin ein Mensch, der unheimlich gern lernt und da mich das Thema zusätzlich noch sehr interessiert, macht es mir Freude. Das selbe gilt für das Erlernen der franziösischen Sprache. Momentan beherrsche ich nur deutsch und englisch, dabei liebe ich Sprachen und möchte neben franziösisch auch noch spanisch, italienisch und weitere Sprachen erlernen. Also ist das frühzeitige Auftauchen im Büro, um noch schnell eine Lerneinheit einschieben zu können ehe meine Arbeitszeit beginnt, auch etwas, auf das ich mich freue. Die „Weiterentwicklung“ durch Bücher, die ich zwischen dem Studium und der Franziösischlektion noch einschiebe, ist auch wieder etwas, das mir Freude bereitet. Ich lese diese Bücher gern, nehme daraus viel für mich mit und empfinde es daher nicht als gezwungenes Lernen oder Arbeit.

Genauso wie ich es kaum abwarten kann, zur Arbeit zu fahren, kann ich es kaum abwarten, nach der Arbeit zum Training zu fahren. Weil ich ebenso gern an meinem Roman arbeite, es liebe, mich mit den Figuren, den Strängen und meinen Notizen auseinander zu setzen und zu sehen, wie mein Buch wächst und gedeiht. Komme ich dann am Fitnessstudio an, schaltet mein Kopf auf das Training um und ich freue mich darauf (ich trainiere unheimlich gern).
Nach dem Training freue ich mich natürlich auch auf die Dusche und vor allem das Essen. Der Haushalt steht bei mir zwar nicht so hoch im Kurs, doch ihn ergänze ich oft mit einem Telefonat, sodass ich ihn eher „nebenbei“ erledige. Steht ein Blogpost im Raum, der noch geschrieben werden will, ist auch das wieder etwas, das mir Freude bereitet.
Und ganz am Ende des Tages freue ich mich dann nur noch auf eins: Mein Bett.

Empfinde Freude an dem was du tust

Wie du siehst, ist mein Tag zwar mit „Arbeit vollgestopft“, besteht zum größten Teil aber aus Dingen, die mir viel Spaß machen und sich eher wie eine Belohnung und Entspannung anfühlen, anstatt wie Arbeit. Wenn dir etwas Freude bereitet, ist es oft zwar immer noch Arbeit, aber du nimmst es ganz anders wahr.
Ich bin der festen Überzeugung, dass mir 8 Stunden einer Arbeit, die ich nicht leiden kann und die mich nicht glücklich macht sehr viel mehr schadet, als wenn ich zehn bis zwölf Stunden an meiner Zukunft arbeite und dabei Spaß habe, weil ich Dinge tue, die ich wirklich gerne tue.
Menschen die sich kaum bis gar nicht bewegen empfinden Empörung, oft sogar Beleidigung bei dem Vorschlag, nach ihrer „anstrengenden Arbeit auch noch trainieren gehen zu müssen“. Weil sie Bewegung bzw. Sport als zusätzliche Anstrengung, als Belastung empfinden. Für sie wird es auch anstrengend und belastend sein. Auch bei mir war es am Anfang so. Inzwischen trainiere ich unglaublich gern und das Training nach der Arbeit ist keine zusätzliche Belastung, sondern eine Belohnung. Wenn ich trainiere, wird mein Körper mit positiven Hormonen geflutet, die mir Energie zurück geben, anstatt sie mir zu rauben. Sicher ist mein Körper danach müde und erschöpft, aber mein Geist ist frisch und erholt.

Genauso sieht es mit dem Schreiben aus. Wenn du wirklich wirklich gern schreibst und nicht daran denkst, dass du nach deinem anstrengenden Job dann „auch noch schreiben musst, um etwas fertig zu bekommen“, dann wird es dir auch sehr viel leichter fallen, dich abends nochmal hin zu setzen. Oder – solltest du morgens produktiver sein – auch mal eher aufzustehen und morgens eine Schreibeinheit einzufügen. Mit der richtigen Planung und der richtigen Einstellung ist es sehr wohl möglich, neben der Arbeit und auch neben der Familie noch Zeit zum Schreiben zu finden. Schreiben ist doch dein Traum (sonst würdest du diesen Blog wohl eher nicht regelmäßig lesen) – also tue auch etwas dafür.

3 Tipps, um das Schreiben, dein Leben und deinen Job unter einen Hut zu bekommen

  1. Plane deinen Tag. Welche Aufgaben stehen heute an? Was musst du dringend erledigen?
  2. Kombiniere. Welche Aufgaben kannst du auf dem Weg von A nach B erledigen? Nutze jede Minute aus.
  3. Empfinde Freude. Tue Dinge, die dir Freude machen, damit du sie nicht als Arbeit sondern als Belohnung empfindest.

Ich habe gelernt und erlebe es auch immer wieder, dass es unsere Einstellung ist, die darüber entscheidet, wie schön, anstrengend, schlimm oder glücklich wir unser Leben empfinden. Mit einer positiven Einstellung kannst du täglich viel mehr Aufgaben mit viel weniger Kraftaufwand bewältigen. Sicher gibt es in meinem Tag auch Aufgaben, die mir mal keinen Spaß machen. Ein Brötchenjob bleibt oft ein Brötchenjob und ist nicht unbedingt die Erfüllung. Er verschafft dir aber den finanziellen Freiraum, dein Leben halbwegs entspannt zu gestalten und nebenbei deine Selbstständigkeit aufzubauen und/oder dir einen Namen als Autor/in zu machen, ohne dich ständig ums Geld sorgen zu müssen.
Dein Tag wird besonders zu Beginn nicht immer nur aus Freude und Spaß bestehen. Aber wenn du dir Aufgaben suchst, die dich weiter bringen UND dir Freude machen, wirst du schlagartig glücklicher, produktiver und wirst dich viel öfter mit der Frage konfrontiert sehen:
„Wie machst du das alles nur?“

sig2

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