Wieso ich Facebook vom Handy warf

Ich liebe Facebook. Wirklich.
Ich halte es für eine hervorragende Plattform, um neue Kontakte zu knüpfen, sich ein Netzwerk aufzubauen, Kontakt zu meinen Lesern, Teammitgliedern, Bekannten, Freunden und Projektteilnehmern zu halten und sich in Interessengruppen zusammenzufinden.
Es eignet sich, um meine Inhalte zu teilen, schnell eine große Masse an Menschen zu erreichen und sich aus den verschiedensten Interessenseiten (und mit der Ausblenden-Entabonnieren-Stummschalten-Funktion) einen eigenen Feed zusammenzubasteln.

Das ist alles wirklich klasse.
Richtig gut fand ich auch, dass ich über die FB-Messenger App und die gewöhnliche FB App auch unterwegs immer auf dem Laufenden bleiben, auf Kommentare und Nachrichten antworten, oder mal eben was posten konnte.

Warum ich Facebook trotzdem verbannt habe

Dass ich mich rund um die Uhr auf dem Laufenden halten konnte, fand ich eine ganze Weile wirklich toll. Ich konnte nichts verpassen, war immer up to date und konnte mich sofort um darum kümmern, wenn es irgendwo mal brannte.

Das Problem war nur, ich konnte  nicht nur 24/7 erreichen – ich WAR auch immer 24/7 erreichbar.

Um die Sache kurz zu machen: Es ging mir irgendwann mächtig auf den Geist.
Mein Handy war immer und ständig am blinken, eine Push-Up-Nachricht jagte die nächste und der Messenger gab ein blau leuchtendes Dauerfeuer von sich.
Wenn ich auf eine Nachricht nicht oder erst am nächsten Morgen antwortete, wurde mir vorgehalten, dass ich als online angezeigt würde und man mich deshalb auch ständig anschreiben dürfe. Deaktivieren kann man den Messenger soweit ich weiß, nur sehr umständlich, nur für maximal 8 Stunden und selbst dann nicht so wirklich komplett.

Vor ein paar Wochen war dann der Punkt erreicht, an dem ich den Messenger gnadenlos deinstallierte. Kurz darauf stellte ich fest, dass die Nachrichten mich immer noch erreichten. Diesmal in Form von PushUp-Nachrichten der Facebook App, die mir mitteilten, dass ich neue Nachrichten habe und doch den Messenger installieren soll.
Also flog die normale FB-App direkt hinterher.

Zur Info: Ich bin auf diversen Messengern aus unterschiedlichen Gründen in unterschiedlichen Gruppenchats. Wenn da zwei oder mehr Teilnehmer loslegen, kann es schon mal zu an die 100 Nachrichten in kurzer Zeit kommen – alle mit PushUp-Notiz und blinkendem Handy. Hinzu kamen die normalen Chats, die FB Benachrichtigungen und und und.

Die letzte Facebook-App, die bleiben darf ist die, mit der ich meine FB-Seiten bearbeite, einfach aus dem Grund, weil ich vom Handy die Bilder für meine Beiträge hochlade. Über diese App kommt maximal eine Nachricht rein, wenn auf die Seiten reagiert wurde, was ich als Admina für sinnvoll halte.

Das Leben ohne mobiles Facebook

Ich muss zugeben, dass ich den oben geschilderten Zustand sehr lange in Kauf genommen habe. Der einfache Grund: Ich hatte Angst, dass es mir schadet, wenn ich nicht ständig auf dem neuesten Stand bin und jede Nachricht sofort beantworte.
Bestimmt würden mir alle Leser wegrennen, meine Seitenreichweite krachen gehen, meine Freunde sauer sein, weil sie auf Antworten warten müssen und ich würde auch noch alles verpassen und nirgendwo mehr mitreden können. Ich hatte tatsächlich Sorge, dass meine Projekte scheitern, wenn ich nicht mehr 24/7 erreichbar bin.

Nun bin ich schon seit gut zwei bis drei Wochen „Facebookfrei“ und nur noch vom Rechner aus online. An den meisten Abenden unter der Woche bin ich nicht nur nicht auf Facebook, sondern auch generell für niemanden mehr erreichbar, meist ab 18 Uhr.

Und was ist passiert? Gar nichts!
Es gab ein paar verdutzte Nachfragen, die ich schnell beantworten konnte und die Welt nimmt es hin.

Morgens, wenn der Flugmodus noch an ist, ertappe ich mich oft dabei, geradezu zwanghaft auf mein Handy zu sehen, um zu prüfen, ob es mit einer Nachricht blinkt – bis mir einfällt, dass noch gar nichts reingekommen sein kann. Und sofort entspanne ich mich und tue das, was ich gerade tun wollte.
In den ersten Tagen war es besonders schlimm, doch so langsam lässt der Drang, ständig auf mein Handy sehen zu müssen, nach.
Ich werde entspannter, arbeite konzentrierter an meinen Aufgaben und freue mich inzwischen wieder darauf, Nachrichten zu lesen und zu beantworten. Vorher war ich nur noch genervt, wenn mich jemand angeschrieben hat.

Am Morgen meine Nachrichten zu beantworten, ist inzwischen ein schönes Ritual geworden. Es fühlt sich an, als würde ich der Welt Guten Morgen sagen – nachdem ich beim Training war und schon die ersten paar Aufgaben des Tages erledigt habe.

Auch meine Abende sind entspannter – weil ich nicht mehr bis in die Puppen Nachrichten schreibe oder auf Twitter, Instagram, Pinterst oder Facebook surfe, sondern mich stattdessen mit meinem Haushalt und mir selbst beschäftige.
Die Abendroutine hat nach einer Woche krankheitsbedingter Pause zwar ein wenig gelitten, aber ich arbeite daran, in genau diesen entspannten Rhytmus wieder reinzukommen.

Weil er gut tut.
Weil er entspannt.
Weil ich dadurch auch zu Hause wieder Lesezeit habe.
Weil ich dadurch jede Nacht 8 Stunden Schlaf bekomme und produktiver bin.
Weil es mir damit besser geht.

Weil ich trotzdem nichts verpasse.

Fazit

Durch das Entfernen des FB Messengers und der App habe ich gelernt, dass die Welt sich auch dann weiterdreht, wenn ich nicht rund um die Uhr erreichbar bin. Dass ich mir auch mal ohne schlechtes Gewissen eine Auszeit nehmen und mich mit mir und meinen Gedanken beschäftigen kann. Ich habe gelernt, dass dieses bewusste Abschalten am Abend und die bewusste Ruhe am Morgen sehr viel Stress und Hektik aus meinem Tag nehmen.

Ich bin entspannter, glücklicher, produktiver und trotzdem ausgeschlafener.

Wenn du dich also gestresst und überfordert fühlst, wenn du genervt bist, weil liebe Menschen dich anschreiben, kann ich eine Messenger-Diät nur empfehlen. Falls du dich auf Dauer nicht traust, teste es doch erstmal für eine Woche.
Lege eine Uhrzeit fest, wann du dein Handy am Abend kompromisslos in den Flugmode stellst und ab wann du ihn morgens wieder aufheben darfst.

Meine Uhrzeiten als Beispiel:

  1. Morgens stehe ich um vier Uhr auf und entferne den Flugmode um acht (4 Stunden).
  2. Abends schalte ich den Flugmode um 18 Uhr an und gehe um 20 Uhr schlafen (2 Stunden).

Mit den Uhrzeiten kannst du experimentieren, bis es für dich und deinen Rhythmus passt. Ich empfehle aber, dir morgens und abends mindestens ein bis zwei Stunden „Online-Diät“ zu verordnen (dazu gehören auch gestreamte Serien, der Kindle etc. – alles ausschalten, was einen Bildschirm hat).

Gehe vor allem entspannt an deinen Selbstversuch heran. Wenn du mal nicht alles korrekt einhälst, bedeutet das nicht, dass du sofort gescheitert bist. Versuche es am nächsten Tag einfach wieder und das solange, bis du die Routine eine Weile durchgezogen hast.
Ich bin mir verdammt sicher, dass es dir nach einer Weile besser gehen und du allgemein ruhiger werden wirst.

Hast du auch schon mal eine Onlinediät durchgezogen? Wie hast du es umgesetzt? Welche Erfahrungen hast du gemacht?
Ich freue mich schon auf deinen Kommentar!

10 thoughts on “Wieso ich Facebook vom Handy warf

  1. Spannender Beitrag, wenn man sieht, wie sehr Facebook die eigene Produktivität hemmt, ist doch eine geregelte Social Media Routine mit Auszeiten genau das, was einem hilft, den Kreis wieder zu verlassen. Viel Erfolg bei deiner Strategie!

    1. Danke – und stimmt, das ist mir auch zwischendurch aufgefallen, besonders früher. Wer immer online ist, von dem wird regelrecht erwartet, dass er dann gefälligst auch immer zur Verfügung zu stehen hat.

  2. Eine Auszeit schadet nie.
    Den Messenger hab ich auch vor einigen Wochen runter geschmissen. Die eigentliche App allerdings nicht xD die brauch ich, weil ich meist zu faul bin nur wegen Facebook den PC hochzufahren. Meine Internet-freie zeit ist dann meist der Sonntag, da liegt das handy unbeachtet auf dem Sofa und kann blinken und leuchten wie es will – geantwortet wird dann eher selten.

  3. Wenn ich das lese, bin ich imemr wieder froh, dass ich mich bewusst gegen ein Smartphone entschieden habe… Laptop reicht mir völlig aus zum kommunizieren, zumal die meisten Leute, die ich kenne, bei FB eh nicht öfter als einmal pro Woche reinschauen:-)
    Da die meisten meiner Freunde einen Beruf haben, bei dem sich nicht ständig erreichbar sein können, finde ich es auch nicht schlimm, nicht immer erreichbar zu sein.

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