Worauf muss ich als SPler bei einem Lektor achten?

In der Facebookgruppe zum ProjectOneYear kam heute folgende Frage auf: „Was zeichnet gute LektorInnen aus, worauf gilt es zu achten?“

Die Frage brachte mich dazu, darüber nachzudenken, was ich als Autorin (und SPlerin) eigentlich von meinem Lektorat erwarte. Um es für dich auf die Frage: „Worauf sollte Autor denn achten, wenn er einen Lektor sucht bzw. mit einem Zusammenarbeitet?“ umzuformulieren, habe ich es auf vier für mich zentrale Punkte eingestampft:

Punkt 1 – Chemie

Der erste und wichtigste Punkt ist die Chemie (oder auch die Wellenlänge). Du musst dich mit deinem Lektor oder deiner Lektorin wohl fühlen. Wenn du das Gefühl hast, dass er oder sie dich nicht leiden kann – oder umgekehrt, dann solltest du entweder ein klärendes Gespräch suchen, oder ein neues Lektorat.

Bedenke, in welchem Bereich ihr zusammen arbeitet. Es geht um dein Buch. Dein Baby. Du hast Herzblut, Zeit, Arbeit, Ärger, Energie und einen Teil deiner Seele hineingesteckt. Nun wartest du zitternd auf die erste Kritik durch einen fremden Menschen, den du höchstpersönlich darauf angesetzt hast, all die Fehler und Makel zu beleuchten, die du noch bereinigen musst. Wenn du diese Person obendrein nicht leiden kannst, wird die Arbeit zwischen euch schnell unerträglich. Mit einem Lektorat, mit dem du dich gut verstehst, bist du hingegen eher bereit, offen über Fehler, Vergessenes und Änderungen zu sprechen.

Punkt 2 – Ehrlichkeit

Dein Lektor ist nicht dazu da, dich zu bejubeln und mit goldenem Konfetti nach dir zu werfen. Außer du hast ein Down, dann ist das ein netter zusätzlicher Service, damit du dich wieder auf deinen Hintern setzt und weiter machst.

Ansonsten ist es sein Job, mit der miesen Tageslicht-UV-Lampe dein Manuskript zu beleuchten und all die blöden Wortverdreher, Plott-Holes und fehlenden Beschreibungen ans Licht zu zerren und dir zu präsentieren. Er sagt dir, wenn etwas scheiße klingt, wenn du zu oberflächlich gearbeitet hast oder deine Figur unglaubwürdig wirkt.

Es ist sein Job, dir all das im Stillen zu sagen, sodass du es verbessern und dein Buch zum Glänzen bringen kannst.
Bevor die Leser all das entdecken und dich in aller Öffentlichkeit sehr schonungslos darauf hinweisen.

Punkt 3 – Zuverlässigkeit

Zuverlässigkeit ist ein Licht, das in beide Richtungen strahlen sollte. Als Autoren lieben wir es, Deadlines zu pushen, den Abschluss vor uns herzuschieben und eher zu prokrastinieren, als am Manuskript zu arbeiten.
Anders gesagt: Wir sind Chill-Künstler. 😉

Trotzdem solltest du darum bemüht sein, dich an Absprachen mit deinem Lektor zu halten – denn auch er hat im Zweifelsfalle einen vollen Terminplan und auch noch andere Manuskripte zu bearbeiten.
Als SPler hast du das Glück, nicht unbedingt an feste Deadlines gebunden zu sein – außer an die, die du dir selbst setzt und die Maximalspanne die dir deine Leser geben, ehe sie mit einem Lynchmob vor deiner Tür stehen.
Aus Erfahrung weiß ich aber, wie Nervenaufreibend eine verspätete Veröffentlichung auch bei einem selbst gesetzten Datum sein kann.

Umgekehrt solltest du dich natürlich auch auf deinen Lektor verlassen können. Wenn du dein Manuskript pünktlich einreichst und er zwei bis vier Wochen veranschlagt, sollte es nach einem Monat wieder auf deinem Tisch liegen. Schließlich musst du es dann auch nochmal überarbeiten, in ein Korrektorat geben und ein letztes Mal schleifen, ehe es online geht. Zusammengefasst seid ihr, was die Arbeit angeht, voneinander abhängig. Das Lektorat, was dessen eigenen Zeitplan betrifft und du, was deinen Veröffentlichungstermin angeht.

Ihr solltet also beide mit einer gewissen Zuverlässigkeit zusammenarbeiten.

Punkt 4 – Professionalität

Es ist der letzte, aber trotzdem ein sehr wichtiger Punkt. Dein Lektor sollte professionell sein in dem was er tut. Dabei geht es nicht nur um das Lektorat, sondern auch um das Auftreten und den Umgang mit dir als seinem Auftraggeber.

Was du dir klar machen solltest: Du bist in der Tat der Auftraggeber. Als SPler zahlst du für das Lektorat und kaufst damit eine Dienstleistung ein. Dein Lektor geht dann dein Manuskript durch und notiert dir, was auffällt. Sind deine Figuren zu seicht, handeln sie unlogisch, fehlen Beschreibungen oder langweilst du deine Leser mit fetten Infodumps? Dann ist es seine Aufgabe, dir das zu sagen – und deine, dir die bemängelten Stellen nochmal anzusehen.

Dabei wirst du viele hilfreiche Infos und Hinweise erhalten, die dich als Autor nach und nach wachsen lassen. Du wirst mit jedem Buch das du schreibst besser und ein nicht kleiner Anteil daran kommt aus den Kommentaren vom Lektorat – aber auch aus dem Feedback deiner Leser! Gut gemachter Kritik solltest du also immer zumindest lauschen und sie nicht entrüstet von dir weisen.

Was dein Lektor hingegen nicht ist, ist der Autor. Der bist immer noch du. Zwischen den guten Hinweisen wird es immer mal wieder Punkte geben, an denen du es schlicht anders sieht, als der Lektor und dich nicht mit der vorgeschlagenen Änderung anfreunden kannst. Sollte das so sein, ist es dein gutes Recht, den Vorschlag wahrzunehmen und ihn wieder abzulegen, ohne ihn eingearbeitet zu haben.

Es ist am Ende immer noch dein Buch und nicht das des Lektors.
Ein professioneller kann damit umgehen, wenn du seinen Vorschlag nicht umsetzen möchtest und arbeitet weiterhin mit dir zusammen. Ein professioneller ist auch in der Lage, selbst Kritik anzunehmen, wenn er Fehler gemacht hat (da dein Lektor vermutlich ein Mensch ist, kann das durchaus vorkommen), ohne ausfallend zu werden oder dich anzugehen.

Fazit

Ein professioneller Lektor ist nichts, wovor du Angst haben musst. Er ist dazu da, dir und deinem Buch zu helfen, noch besser zu werden. Dabei weist er dich auf Fehler und Lücken hin, macht Vorschläge und bespricht sich mit dir, wenn du Rückfragen hast. Das ist die Dienstleistung, die du einkaufst. Du musst dich weder entschuldigen, noch rechtfertigen, wenn du nicht jeden Vorschlag umsetzen möchtest und du hast jederzeit die Wahl, mit deinem nächsten Manuskript einen anderen Lektor aufzusuchen.

Wer für dich am Besten geeignet ist, findest du nur durch Ausprobieren heraus. Frage bei deinen Autorenkollegen oder in deinem Netzwerk nach einem Lektor oder googel nach Lektoren. Auch über Facebook und diverse Lektoratsgruppen kannst du schnell Kontakte schließen. Tausche dich mit einigen Lektoren aus, frage danach, wie sie arbeiten, nach ihren Preisen und finde heraus, ob sie dir sympathisch sind.
Den Rest findest du in der gemeinsamen Zusammenarbeit heraus. Viel Spaß beim Schreiben!

 

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